Der Erd-Burzeldorn: eine Frucht wie eine Fußangel
Auf der Vorderseite der Adenicil-Packung steht Tribulus terrestris. Der Name beschreibt keine Wirkung, sondern eine Form: die Frucht dieser Pflanze ist gebaut wie eine Waffe aus der Antike. Dieser Text handelt von der Pflanze selbst.
Woher der Name Tribulus stammt
Die Gattung heißt nach dem altgriechischen trίbolos, dem Namen für die Fußangel — ein Stück Eisen mit mehreren Spitzen, bei dem immer eine Spitze nach oben zeigt, wie herum man es auch wirft. Solche Angeln streute man vor heranrückenden Heeren aus.
Carl von Linné führte die Art 1753 in Species Plantarum auf Seite 387 als Tribulus terrestris — der Zusatz terrestris heißt schlicht „auf dem Boden wachsend". Der Name benennt also Form und Standort, sonst nichts.
Wie die Frucht gebaut ist
Botanisch ist es eine verholzte Spaltfrucht: Sie zerfällt bei der Reife in meist fünf keilförmige Teilfrüchte. Jede trägt zwei nach oben auseinanderstrebende und zwei nach unten gerichtete Dornen und enthält zwei bis vier Samen.
Durch diese Anordnung steht an einer am Boden liegenden Teilfrucht immer ein Dorn nach oben — dieselbe Geometrie wie bei der Fußangel, nach der die Gattung benannt ist.
Wozu die Dornen dienen
Die Dornen sind kein Schutz, sondern ein Transportmittel. Sie haken sich in Tierhufe, Fell, Schuhsohlen und Reifen und tragen den Samen so weit fort, wie das Getroffene läuft oder fährt.
Im Englischen heißt sie deshalb puncture vine — ein Name aus der Praxis, nicht aus der Botanik.
Wo die Art von Natur aus wächst
Plants of the World Online, die Datenbank der Royal Botanic Gardens in Kew, gibt als natürliches Verbreitungsgebiet die Alte Welt an: weite Teile Afrikas und Asiens sowie den Süden und die Mitte Europas.
Sie wächst niederliegend und kommt mit Trockenheit und Hitze dort zurecht, wo andere Arten ausfallen.
In Deutschland eingeschleppt, bei den Nachbarn heimisch
Hier liegt der Unterschied, den man einer Zutatenliste nicht ansieht: Für Deutschland führt Kew die Art als eingeschleppt, nicht als heimisch.
Für Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich und den Balkan steht sie dagegen im natürlichen Verbreitungsgebiet — wenige hundert Kilometer südlich ist dieselbe Pflanze Teil der heimischen Flora.
Einjährig — und was daraus folgt
Kew führt die Art als ein- bis zweijährig. Sie vermehrt sich ausschließlich über Samen — es gibt keine Wurzelausläufer, über die ein Bestand überwintern könnte. Alles hängt damit an der Frucht.
Wie die Art außerhalb Europas bekämpft wird
In den USA gilt die Pflanze als Problemunkraut. 1961 setzte man dort zwei Rüsselkäfer gegen sie ein: Microlarinus lareynii, dessen Larven in den heranreifenden Früchten fressen, und Microlarinus lypriformis, der die Stängel befällt.
Beide stammen unter anderem aus Frankreich und Italien, also aus dem heimischen Gebiet der Pflanze. Gemeinsam eingesetzt wirken sie besser als jeder für sich.
Welcher Pflanzenteil verarbeitet wird
In Nahrungsergänzungsmitteln wird üblicherweise ein Auszug aus den Früchten verwendet, in manchen Zubereitungen auch aus dem Kraut — zwei verschiedene Ausgangsstoffe.
Auf der Adenicil-Packung steht allerdings nur der Artname. Welcher Pflanzenteil verarbeitet wurde und in welcher Menge, ist dort nicht angegeben — und was nicht auf der Packung steht, tragen wir hier auch nicht nach.
Warum hier nichts über Wirkungen steht
Für Tribulus terrestris gibt es im EU-Register keine zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Botanicals wie diese werden nach Artikel 28 Absatz 6 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 weiterhin als unerledigt geführt; der Gerichtshof der Europäischen Union hat diese Übergangslage in der Rechtssache C-386/23 bestätigt.
Deshalb beschreibt dieser Text nur Herkunft, Bau und Verbreitung. Die einzige Zutat mit zugelassenen Angaben ist Zink — im Wortlaut der Verordnung auf der Produktseite.
Quellen
- Plants of the World Online, Royal Botanic Gardens, Kew — Tribulus terrestris L.: akzeptierter Name, Erstveröffentlichung in Sp. Pl.: 387 (1753).
- Plants of the World Online, Kew — natürliches Verbreitungsgebiet der Art: Alte Welt.
- Plants of the World Online, Kew — Länderliste des natürlichen Vorkommens, darunter Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich und der Balkan.
- Plants of the World Online, Kew — Deutschland in der Liste der Gebiete, in die die Art eingeführt wurde.
- Plants of the World Online, Kew — Lebensform: einjährig bis zweijährig.
- Plants of the World Online, Kew — Einordnung in die Familie Zygophyllaceae, Ordnung Zygophyllales.
- International Plant Names Index (IPNI) — nomenklatorischer Eintrag zu Tribulus terrestris L.
- World Flora Online — Artdatenblatt Tribulus terrestris.
- Global Biodiversity Information Facility (GBIF) — Fundmeldungen der Art in Europa und Nordamerika.
- Carl von Linné, Species Plantarum, Band 1 (1753), S. 387 — Erstbeschreibung.
- Floristische Bestimmungswerke zur Gattung Tribulus — Bau der Spaltfrucht: Zerfall in Teilfrüchte mit je zwei oberen und zwei unteren Dornen, zwei bis vier Samen.
- Etymologische Nachweise zu griech. trίbolos (Fußangel) als Namensgeber der Gattung.
- Noxious Weed Control Boards der US-Bundesstaaten — Einstufung als Problemunkraut.
- Integrated Weed Control Project, Washington State University — Microlarinus lareynii (Samenrüssler): Larvenfraß in den heranreifenden Früchten.
- Integrated Weed Control Project, Washington State University — Microlarinus lypriformis (Stängelrüssler) sowie Einführung beider Arten in die USA im Jahr 1961.
- Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel — Artikel 28 Absatz 6 (Übergangsregelung für Botanicals).
- Gerichtshof der Europäischen Union, Rechtssache C-386/23 — zur Lage der noch nicht beschiedenen pflanzlichen Angaben.
- Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel — Artikel 18 und Anhang VII: Bezeichnung der Zutaten.
Adenicil: vier Zutaten, zehn Kapseln, 49 €
Auf der Vorderseite stehen vier Zutaten: Zink, Tribulus terrestris, Weidenröschen und Maca — keine Handelsbezeichnung für eine Mischung.
In der Packung sind zehn Gelatinekapseln, laut Verkäufer eine Kapsel täglich zu einer Mahlzeit. Der Preis beträgt 49 € einschließlich Lieferung, bezahlt wird per Nachnahme beim Boten — ohne Vorkasse und ohne Kartendaten auf dieser Seite.